Psychologie und Gehirn 2008

Symposium 25
"
Allgemeine Fragestellungen der Psychologie"

 

 


 

Chair: Dirk Hagemann                       G22A-R112                          11.30 - 13.00 XE


ERP-Untersuchungen von Target-Target-Konflikten in der Lokalisationsaufgabe

 

Gibbons, Henning


Institut für Psychologie der Universität Göttingen

In Untersuchungen mit ereigniskorrelierten Potentialen (ERPs) in der modifizierten XO-Lokalisationsaufgabe wurden Verarbeitungskonflikte durch multiple Targets modelliert. In der ersten Modifikation wurden neben der klassischen Konstellation XO (X=Distraktor, O=Target) auch Trials präsentiert, in denen simultan zwei Targets O erschienen. Überraschenderweise war die Reaktionszeit (RT) bei multiplen Targets erhöht gegenüber der ein-Target-Situation; ein ERP-Korrelat dieses Effekts bestand in einer Erhöhung der medial-frontalen Negativität (MFN). Es zeigte sich auch, dass Konflikte zwischen multiplen Targets strategisch moduliert werden können: Erschien in 20% der Trials ein einzelnes Target O, fand sich kein Verarbeitungsnachteil für multiple Targets. In der zweiten Modifikation der XO-Aufgabe wurden Konflikte zwischen multiplen Targets erzeugt, indem das häufige Target O  in 25% der Trials durch ein „Super-Target“ S ersetzt wurde. Von besonderem Interesse war dabei die hoch konflikthaltige Konstellation OS (12.5% der Trials). Für diese Bedingung fand sich eine signifikante Erhöhung der RT und eine dramatisch erhöhte Fehlerzahl (20% für OS vs. 5% für XO), wobei mehr als 80% der OS-Fehler vorschnelle Reaktionen auf die Position des O waren. ERP-Korrelate des OS-Konflikts bestanden in einer erhöhten reaktionsbegleitenden MFN, erhöhter Latenz und Amplitude der P3b, und einer falschen Voraktivierung im lateralisierten Bereitschaftspotential, wenn O und S in verschiedenen Halbfeldern präsentiert wurden.

 

Der Einfluss von Kontingenzbewusstheit auf konditionierte Reaktionen während eines differentiellen Bild-Bild Konditionierungsparadigmas

 

Klucken, T., Stark, R., Tabbert, K., Schweckendiek, J., & Vaitl, D.

 

 "Bender Institute of Neuroimaging"

Im Bereich des evaluativen Konditionierens finden häufig aversive Bilder als unkonditionierte Stimuli (UCS) Verwendung. Als abhängige Variable wird meistens lediglich die Veränderung der subjektiven Bewertungen untersucht, während andere Reaktionssysteme oft nicht analysiert werden. Überdies ist der Einfluss von Kontingenzbewusstheit auf verschiedene Antwortsysteme ungeklärt. Während einige Studien zeigen, dass konditionierte Reaktionen ohne Kontingenzbewusstheit entstehen können, postulieren andere Studien das Vorhandensein von Kontingenzbewusstheit als Voraussetzung für konditionierte Reaktionen.
In der vorgestellten Studie wurde untersucht, ob sich konditionierte Reaktionen in verschiedenen Reaktionssystemen (subjektiv, elektrodermal und neuronal) abbilden lassen, wenn aversive Bilder als UCS eingesetzt werden. Zusätzlich wurde der Einfluss von Kontingenzbewusstheit auf konditionierte Reaktionen untersucht. Hierzu wurde ein differentielles Konditionierungsparadigma während einer fMRT-Messung durchgeführt, bei dem eine geometrische Figur (CS+) aversive Bilder ankündigte, während ein anderer Stimulus (CS-) neutrale Bilder vorhersagte. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass Kontingenzbewusstheit einen unterschiedlichen Einfluss auf die verschiedenen Antwortsysteme besitzt. Während konditionierte elektrodermale Aktivitäten und eine negativere Bewertung des CS+ nur bei kontingenzbewussten Personen gefunden werden konnte, zeigte sich neuronale Aktivität assoziiert mit dem CS+ in beiden Gruppen. In der Gruppe der Kontingenzbewussten konnte eine erhöhte Aktivität im Nucleus accumbens nachgewiesen werden. Dies deutet darauf hin, dass der Nucleus accumbens nicht nur eine wichtige Rolle bei der Verarbeitung von positiven Emotionen besitzt.

 

Ein integratives Modell zur Überprüfung von Eyesencks Extraversionstheorie

 

Hagemann, Dirk1, Naumann, Ewald2, Britz, Patrick 2 & Hermes, Michael 2

1 Psychologisches Institut, Universität Heidelberg
2 Fachbereich I – Psychologie, Universität Trier

Nach einer Theorie von Hans-Jürgen Eysenck sind Extravertierte durch ein größeres kortikales Arousal bzw. eine größere Arousability gekennzeichnet als Introvertierte. Diese Vorhersage wurde in zahlreichen Studien überprüft, in denen das Arousal bzw. die Arousability mit dem Elektroenzephalogramm (EEG) gemessen wurde, die resultierenden Zusammenhänge zwischen den EEG-Maßen und der Extraversion waren aber meist klein. Eine mögliche Erklärung für diesen Befund könnte darin bestehen, dass externale (psychologische) Störvariablen die EEG-Messung beeinträchtigen und somit die fraglichen Zusammenhänge mindern. Das Ziel dieser Studie war eine Überprüfung dieser Störhypothese. Ein Ruhe-EEG wurde mit zwei verschiedenen Erregungsniveaus (geöffnete vs. geschlossene Augen) in vier Messgelegenheiten aufgezeichnet, und Extraversion wurde mit einem Fragebogen erhoben. Die Daten wurden mit einem Strukturgleichungsmodell analysiert, das eine simultane Berücksichtigung von Faktoren für Arousal, Arousability und externale Störvariablen erlaubt. Diese Analyse zeigte auf, dass externale Faktoren kaum zur Varianz der EEG-Maße beitrugen, und dass die Zusammenhänge zwischen Extraversion und Arousal bzw. Arousability nicht signifikant waren, selbst wenn diese externalen Faktoren statistisch kontrolliert wurden. Die meiste Varianz der EEG-Maße konnten hingegen auf einen stabilen und konsistenten Faktore zurückgeführt werden. Dieser Befund lässt vermuten, dass eine Datenerhebung in nur einer Messgelegenheit ausreicht, um einen Trait des kortikalen Arousals bzw. der Arousability zu bestimmen.

 

Effects of long-term intranasal insulin on food-intake, sleep, memory, mood and hormones in male and female subjects

 

Blicke, M.1, Khamis, M.1, Willkomm, A.1, Scherbaum, W. A.2 & Stockhorst, U. 3

 

1 Institute of Medical Psychology, University of Duesseldorf
2
Clinic of Endocrinology, Diabetology and Rheumatology, University Hospital, University of Duesseldorf
3
Institute of Psychology, General Psychology II and Biological Psychology, University of Osnabrueck

 

The intranasal administration of insulin is an important tool to reach the human brain while maintaining euglycemia. This allows to study insulin´s effects in the brain. Based on insulin brain receptors´ localization, central insulin should affect food-intake, weight, memory, mood, and attention. Taking into account that hypocretins that modify food intake, also affect sleep, we additionally address central insulin´s effects on sleep duration. In the present longitudinal study, 22 healthy male and 22 female students took part. Over 8 weeks (treatment phase), they administered either insulin (20 iU = 0.2 ml) or placebo (0.2 ml) three times a day, 20 min prior to the main meals. A follow-up phase covered another 8 weeks. To assess the impact of classical conditioning, half of the subjects per group (insulin vs. placebo) continued to administer placebo during follow-up, the other half did not spray any more. Data analyzed for the treatment phase so far, reveal that insulin induces lower food-intake in a test-meal only in males, a temporarily lower sleep duration in females and improvement of mood. Analyses of hormones, memory, acoustically evoked potentials, physical activity, body composition and of putative conditioning effects are under progress. Results will be presented. (DFG STO 323/1-2).

 

 

 

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