Psychologie und Gehirn 2008

Symposium 4

"Soziale Kognition I: Störungen des Sozialverhaltens"

 

 


 

Chair: Prof. Dr. Wolf, Oliver, G22A-R111, 15.00 - 16.30


 

Mitgefühl als Stressor? Eine neuroendokrine Untersuchung zur Empathiefähigkeit bei Menschen aus dem Autismus-Spektrum

 Conty, Marieke 1, Dr. Dziobek, Isabel 2, Prof. Dr. Wolf, Oliver T. 3

 1Universität Bielefeld
2
Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin
3
Fakultät für Psychologie, Arbeitseinheit Kognitionspsychologie, Ruhr Universität Bochum

 

In den letzten Jahren wurde deutlich, dass bei Störungen aus dem autistischen Spektrum Einschränkungen im Bereich der kognitiven Empathie (Theory of Mind) vorliegen, wohingegen emotionale Empathie weitestgehend unbeeinträchtigt zu sein scheint. Bisher kaum untersucht ist die Frage, inwieweit die Konfrontation mit den Gefühlen Anderer für diese Patienten belastend oder stressig ist. In der vorliegenden Studie wurde getestet, ob die Durchführung eines Empathietests (Multifaceted Empathy Test (MET; Dziobek et al., 2007)) bei einer Gruppe von Menschen mit Aspergersyndrom oder High-Functioning-Autismus (N = 14) und gematchter Kontrollgruppe Auswirkungen auf deren neuroendokrine Stressreaktion hat. Als Stressindikatoren wurden aus dem Speichel Alpha-Amylase (sAA) und Cortisol vor und nach der Durchführung des METs bestimmt. Auf Verhaltensebene zeigte sich ein Trend für schlechtere Leistung in kognitiver Empathie, nicht jedoch in emotionaler Empathie. Weder für sAA noch für Cortisol deuteten die Ergebnisse auf eine stärkere Stressreaktion der Patientengruppe hin. Tatsächlich wiesen die Teilnehmer der Autismus-Gruppe einen Trend (p <.10) zu niedrigeren Cortisol Werten zu beiden Zeitpunkten auf. Die Ergebnisse zeigen, dass die Bearbeitung des neu entwickelten Empathietests für die Patienten nicht stressig ist. Darüber hinaus deuten die Befunde darauf hin, dass bei den Patienten eine erniedrigte basale Aktivität der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrindenachse vorliegt.

 

Soziale Kognition und emotionale Empathie bei Patienten mit Borderline-Persönlichkeitsstörung

 

Preißler, Sandra ¹, Dziobek, I., Ritter, K.  , Heuser, I. , Heekeren, H.  & Roepke, S.

 ¹Charité Berlin CBF

 

Ein Diagnosekriterium der Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) ist ein tiefgreifendes Muster von Instabilität in zwischenmenschlichen Beziehungen. Ursache hierfür könnten veränderte Fähigkeiten zu sozialer Kognition (Theory of Mind) und zur Empathie (unterteilbar in emotionale und kognitive Komponenten) sein. In dieser Untersuchung haben 32 Patientinnen mit BPS (P) und 32 in Alter und Bildung parallelisierte Kontrollprobandinnen (K) den „Multidimensionalen Empathie Test“ (MET, Dziobek, et al. 2007), sowie den „Movie for the Assessment of Social Cognition“ (MASC, Dziobek, et al. 2006) durchgeführt. Im MASC unterscheiden sich die Gruppen signifikant (P: M = 30,9 (5,8); K: M = 34,9 (3,8), p < 0.01). Im MET bestätigen sich die Probleme der Patienten mit BPS im Erkennen von Emotionen (P: M = 21,1 (2,9); K: M = 22,2 (1,1), p < 0.01), wobei diese Unterschiede auf positive Emotionen beschränkt sind (BPS: M = 8,3 (1,0); K: M = 8,9 (0,4) p < 0.01). Ein ähnliches Muster zeigt sich für emotionalen Empathie (über alle Emotionen: BPS: M = 6,2 (1,1); K: M = 5,1 (2,0) p < 0.01; positive Emotionen: BPS: M = 4,9 (2,1); K: M = 6,8 (1,3) p < 0.01). Insgesamt verweisen die Ergebnisse auf deutliche Einschränkungen in sozialer Kognition und emotionaler Empathie bei BPS.

 

Neuroendokrine Mechanismen sozialer Interaktion: Effekte von Oxytocin und Vasopressin

 

Prof.Dr. Heinrichs, Markus¹, von Dawans, Bernadette , Steiner, Angela ,  Domes, Gregor

¹Psychologisches Institut, Universität Zürich, Abt. Klinische Psychologie und Psychobiologie

 

The fundamental ability to form attachment is indispensable for human social relationships. Impairments in social behavior are associated with decreased quality of life and psychopathological states. In non-human mammals, the neuropeptides oxytocin (OT) and arginine vasopressin (AVP) are key mediators of complex social behaviors. In particular, OT reduces behavioral and neuroendocrine responses to social stress and seems both to enable animals to overcome their natural avoidance of proximity and to inhibit defensive behavior. AVP has primarily been implicated in male-typical social behaviors, including aggression, and mediates anxiogenic effects. Recent studies in humans from our laboratory suggest behavioral, neural, and endocrine effects of both neuropeptides, similar to those found in animal studies. This talk focuses on advances made to date in the effort to understand the role of OT and AVP in social behavior. In particular, the clinical implications for disorders that are associated with social deficits will be discussed (e. g., social phobia, autism). Finally, a model of the interactions of anxiety and stress, approach behavior, and the oxytocinergic system will be presented.
Supported by the Swiss National Science Foundation (SNSF 105313-109408; SNSF PP001-114788) and the Research Priority Program “Foundations of Human Social Behavior” of the University of Zurich.

 

Oxytocin, soziale Kognition und Aspergersyndrom - Ergebnisse einer fMRT Studie

 

Domes, Gregor 1, Kumbier, Ekkehardt 1, Heinrichs, Markus 2, Herpertz, Sabine C. XE 1
1 Klinik für Psychiatrie, Universität Rostock
2
Psychologisches Institut, Klinische Psychologie und Psychobiologie, Universität Zürich 

 

Menschen mit Asperger Syndrom berichten häufig über deutliche Beeinträchtigungen sozial kognitiver Funktionen, wie z.B. der Emotionserkennung und der sozialen Attribution. In Vorläuferstudien konnten funktionelle Veränderungen im limbischen System (Amygdala), fusiformen Kortex („fusiform face area“, FFA) und im präfrontalen Kortex nachgewiesen werden, die mit den sozial-kognitiven Beeinträchtigungen in Zusammenhang stehen. Exogen appliziertes Oxytocin scheint hingegen sozial-kognitive Funktionen zu verbessern. Ziel der aktuellen Studie war der Nachweis modulatorischer Effekte von nasal appliziertem Oxytocin auf neuro-funktionelle Korrelate der Gesichterwahrnehmung.
Untersucht wurden 14 Probanden mit Asperger Syndrom (ASP) und 14 Kontrollprobanden mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie. Die Probanden erhielten in einem randomisierten, placebo-kontrollierten cross-over Design 24IE Oxytocin nasal appliziert, bevor sie eine Aufgabe zur Gesichterdiskrimination durchführten.
Erste Ergebnisse zeigen in beiden Gruppen vergleichbare Aktivierungsmuster unabhängig von der Substanzapplikation. Subtile Gruppenunterschiede ergaben sich jedoch im okzipitalem Kortex, in Teilen des Temporallappens und in präfrontalen Arealen. Interessanterweise steigerte die Oxytocinapplikation in ASP die Aktivität v.a. in Amygdala und FFA, während in der Kontrollgruppe keine solchen Effekte zu beobachten waren.
Die Ergebnisse weisen auf eine modulatorische Wirkung des Oxytocin in einem weit verzeigten Netzwerk der Gesichterwahrnehmung in. Obwohl die Lokalisation der primären Wirkung offen bleibt, ist von einer Beteiligung limbischer Strukturen (v.a. der Amygdala) wahrscheinlich. Alternative Erklärungen (z.B. motivationale) müssen bislang als gleichwertig diskutiert werden.


 

 

 

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